Das Savoy-Kino – 56 Jahre in St. Georg

Nun ist es endlich da: ein Kino im Stadtteil, das nicht nur St. Georg begeistern will, sondern hoffentlich auch andere Menschen davon überzeugen kann, dass der Steindamm besuchenswert ist.

Das Kino

Kaum zu glauben, dass dieser wunderbare Kinosaal in den 80ern in fünf Schachtelkinos aufgeteilt war: das kleinste fasste damals sage und schreibe 70 Personen, insgesamt gab es in den Kinos knapp 1.000 Sitzplätze.
Heute sind es 284, im Stressless-Bequemsessel-Stil, teilweise inklusive Fußhockern und mit integrierten Sektkübeln. Dazu eine Leinwand, die so groß ist wie die Wohnfläche eines Einfamilienhauses, ein super Soundsystem, eine coole Bar im Foyer und eine Garderobe – obwohl in den riesigen Sesseln auch die Jacke locker noch Platz hätte. In zwei Monaten soll es dazu noch ein ganz neues „Zwei-Sprachen-Verfahren“ geben, bei dem wahlweise mit Kopfhörern die deutsche Fassung gehört werden kann, während der Film in Original Version gespielt wird.

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Die Eröffnung

„Draußen auf dem Steindamm […] johlte die etwas rauhe Jugend des dortigen Viertels“, schrieb die WELT, als das Savoy mit Promis und rotem Teppich eröffnet wurde – im Jahr 1957.
Am Mittwoch blieb in St. Georg alles ruhig, als das Kino mit gut 300 geladenen Gästen seine Wiedereröffnung feierte. Statt der damals 80 Polizisten waren es am Abend nur ganze zwei Herren in Blau, die sich jedoch nach ca. einer Stunde wieder entfernten, um andere Brennpunkte im Viertel zu sichern.

Savoy Kino St Georg Eröffnung

„Der wärmste Tag des Jahres und ein volles Kino“, freute sich Savoy-Chef Hans-Joachim Flebbe. Nicht nur bei seiner Familie bedankte er sich für die Unterstützung („Farbmuster für die Wandbespannung 14 Tage zu Hause auf dem Esstisch, und wir haben drumrum gegessen“), auch alle anderen Beteiligten wurden in der fröhlichen Rede genannt. Neben Architekten, Lüftungstechnikern und  polnischen Arbeitern vor allem auch Bezirksamtsleiter Andy Grote und dessen Vorgänger Markus Schreiber sowie „der Mann mit der blauen Hose“, Gary Rohweder, Ex-Theaterleiter im Streit’s Kino und nunmehr in gleicher Funktion im Savoy engagiert.

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Neben Häppchen und Getränken, Popcorn und Eiscreme unterhielten Annamateur aus Dresden (toll! 11. – 13. Oktober im Polittbüro, nicht verpassen!)  und Neu-Hamburger Jörg Knör die Gäste. Die flachen Jenny Elvers- und Angela Merkel-Witze hätten nicht unbedingt sein müssen, die großartigen Parodien prominenter Hamburger waren allerdings wirklich beeindruckend. Einen Film gab es zum Schluss auch noch: Souliges mit „The Sapphires“ aus Australien.

Jörg Knör im Savoy

Das Programm

Flebbe nennt sein Kino ein „Originalfassungs-Premiumkino“. Das Programm ist recht mainstreamig, aber immerhin ja in Originalversion – was fast jeden Film besser macht. Ob man nun „Hangover 3“ haben muss oder lieber „The Place beyond the Pines“ schaut – wie immer entscheidet der Kunde (WIR!!). Es soll vier Vorstellungen pro Tag geben und für alle, die es  lieber deutsch mögen, sonntags eine Matinee in deutsch synchronisierter Version.

Der Kater

Eine schöne Geschichte ist im liebevoll gemachten Savoy-Begleitheft „Über 50 Jahre Hamburger Kinogeschichte“ zu finden: in den 70ern gab es dort einen Hauskater namens Sascha, der die Gäste miauend begrüßte und schnell zum Publikumsliebling wurde. Das würde mir gefallen: ein Kino mit Hauskatze! Allerdings ist heutzutage im Savoy alles so sauber, modern und tipptopp renoviert: da gibt’s bestimmt keine Mäuse mehr…

Die Aussichten

Zum Eröffnungsfilm 1957 kamen bereits in der ersten Woche unglaubliche 15.000 Besucher ins damalige Savoy – zugegebenerweise bei 957 Sitzplätzen. Für sein „Hobbyprojekt“ Savoy-Kino liegt der neue Betreiber mit seiner Schätzung bei ca. 7.000 bis 8.000 Besuchern – monatlich, versteht sich.

Wie das neue Savoy ankommt und wie sich die Programmauswahl entwickeln wird,  bleibt abzuwarten – bzw. aktiv mitzugestalten durch häufige Kinogänge. Ich werde das sicher tun und freue mich über mein neues Lieblingskino!

Savoy_Eingang

Website Savoy Kino: http://www.savoy-filmtheater.de

5 Kommentare zu Das Savoy-Kino – 56 Jahre in St. Georg

  1. Ein tolles Kino. Leider war ich es einmal dort, weil die Filme, die dort normalerweise gezeigt werden, nicht nach meinem Geschmack sind. Schade. Das Niveau sollte an die Filmauswahl angepasst werden.

  2. Ich bin immer wieder gerne im Savoy: toller Saal, superbequeme Sessel mit ungewöhnlich viel Beinfreiheit (hat man sonst nur in der Business Class ;-)), überall guten Blick auf die Leinwand, modernes Soundsystem, nette Leute im Foyer….alles top! Nur das Programm könnte für meinen Geschmack etwas weniger mainstreamig und actionlastig sein…dann wäre meine 10er-Karte schon voll!

  3. Das Savoy hat einen unglaublichen Charme & Charakter … für uns eigentlich das schönste Kino Hamburgs. Schöner Artikel!!! Gruß

  4. Wir waren – inspiriert von diesem Artikel – gestern zum ersten Mal im neuen Savoy und es ist wirklich eine tolle (Wieder)Entdeckung. Schon am flauschigen (roten) Teppich im Eingangsbereich merkt man auf angenehme Weise, dass das Kino renoviert wurde. Das großzügige Foyer, die kleine Bar und gelungene Getränkeauswahl (Fritzcola, Cocktails) sowie Snacks (meine Lieblingschips mit Rosmarin) zeigen, dass sich da jemand Gedanken gemacht hat. Sound, große Leinwand und vor allem die ungewöhnlich großzügige Beinfreiheit sind bemerkenswert. Gratulation ! Wir kommen sicher und sehr gerne wieder und freuen uns über diese Bereicherung unseres Viertels!!!

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  1. Das Jahr 2013 in St. Georg: so war es.

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