St. Georg den Touristen?

Menschen mit Stadtplan und fragendem Blick spazieren die Lange Reihe entlang, pralle Backpacker-Rucksäcke und klappernde Trolleys gehören längst zum Stadtbild. Kein Wunder, denn 360.000 Menschen besuchen Hamburg täglich, sage und schreibe 9,5 Mio. Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gezählt.

Hotels liegen vor allem in St. Georg, in keinem anderen Stadtteil Hamburgs gibt es mehr davon. Etwa 12.000 und damit 25% aller Hotelbetten Hamburgs (gesamt 48.250 laut Statistikamt Nord) sollen hier im Viertel beheimatet sein. Manche sprechen von 50% aller Betten – diese Zahl halte ich allerdings für stark überzogen und konnte sie auch nirgendwo bestätigt bekommen.
Sucht man nachHotels in Hamburg bei HRS und sortiert nach St. Georg, findet man rund 50 Anbieter. Insgesamt werden es etwa 80 Hotels und Pensionen sein, die sich in Hauptbahnhof-Nähe tummeln.

Eigentlich kein Wunder, oder?  St. Georg liegt in Hamburgs Mitte: der Bahnhof, die Alster, die Innenstadt, Museen und Theater – alles in Minuten zu erreichen, zu Fuß natürlich. Welchen Grund kann es da überhaupt noch geben, in einem anderen Stadtteil zu nächtigen? Ob modern im The George oder klassisch imAtlantic, individuell im
Galerie-Hotel Petersen oder mit kleinem Budget im Generator Hostel, die Auswahl ist riesengroß.

Nein, ich möchte auf der Langen Reihe nicht über Ansichtskarten- und Souvenirständer stolpern und nehme durchaus wahr, dass sich einige Händler zunehmend auf die Kaufbedürfnisse der Hamburg-Touristen einstellen. Aber ist es nicht eine gute Mischung, wie St. Georg sich heute präsentiert? Ich finde es schön, auf der Straße auch einmal andere Sprachen zu hören, Menschen aus anderen Städten und Ländern zu treffen. (Wobei ich auf manche Dialekte verzichten könnte, aber das ist eine ganz andere Geschichte…;-)). Wollen wir nicht selbst in fremden Städten spannende Viertel erkunden, dort essen, wo die Einheimischen sitzen und die kleinen Läden durchstöbern?  Wenn Besucher mir sagen, dass sie St. Georg toll finden, freue ich mich jedenfalls und bin stolz auf „meinen“ Stadtteil.

Die alteingesessenen Geschäfte sollen bleiben, ja, schön und gut, aber dann sollten wir uns auch freuen, wenn Touristen (die oft kauffreudiger sind als Anwohner) St. Georg besuchen und dort mal ein Buch erstehen, ein Mitbringsel kaufen, sich für den täglichen Bedarf eindecken oder essen gehen. Auch diesen Blog lesen immer mehr Nicht-Hamburger und werden Fan von Hamburg St. Georg bei Facebook. Weil sie sehen wollen, wie sich St. Georg entwickelt und was hier los ist, ob der Hansaplatz sicher und das Viertel einen Besuch wert ist. Ja, ist es, kommt her und schaut es euch an – St. Georg für alle!

PS noch eine beeindruckende Zahl: in Hamburg sichert der Tourismus über 100.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet über 20 Mio. Umsatz – täglich, versteht sich  (Quelle: Hamburg Tourismus). Wie viel davon in St. Georg hängen bleibt, weiß ich leider nicht.

PPS: Eine neue Seite meines Blogs gibt Entscheidungshilfe: Hotels in St. Georg.

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