Hunderte in St. Georg bei nasser Demo

So traurig sahen die Gesangszettel vom Stadtteilchor „Drachengold“ aus, denn Dauerregen begleitete heute die Demonstranten von der Langen Reihe zum Hansaplatz. Trotzdem waren geschätzt über 500 Anwohner und Sympathisanten gekommen, um ihren Unmut gegen Mietwucher auszudrücken.

Michael Joho, Peggy Parnass

Nach Proklamationen vor der Wohlers-Buchhandlung setzte sich der Zug mit Michael Joho vom Einwohnerverein an der Spitze in Bewegung. Die Stimmung war gut und erinnerte an Friedensdemos, und gelegentlich heizten Sprechchöre wie „Wohlers bleibt“ und „Jendrusch raus“ die Stimmung im naß-kalten Wetter an.

Am Hansaplatz 1, dem Sitz von Jendrusch & Partner, wurde ein Buh- und Pfeifkonzert vor dem Fenster der Immobilienfirma veranstaltet, und ganz spezielle Bücher mit ganz speziellen Widmungen wurden niedergelegt:

Wohlers oder Amazon?

Sicher ist es richtig, ein Zeichen zu setzen gegen 200% Mieterhöhung. Sicher sind Bücher wichtig, und auch das kann mal wieder gesagt werden. Aber kaufen alle, die da heute auf der Straße waren, wirklich regelmäßig bei Wohlers Bücher? Oder doch lieber bei Thalia oder eigentlich meistens bei Amazon oder sowieso nur noch elektronisch?

3 Kommentare zu Hunderte in St. Georg bei nasser Demo

  1. Deine Fragen zum Schluss sind ganz richtig: wenn die alle bei Wohlers kaufen würden, könnte er wahrscheinlich sogar die Mieterhöhung wegstecken. Es ist doch nur eine Frage der Zeit bis solche Buchhandlungen aussterben – einfach weil die meisten Leute lieber im Internet kaufen.

    • Ja, aber traurig genug oder? Ich kauf auch bei Amazon, aber manchmal auch gerne in der Buchhandlung. Thalia verkauft ja auch schon alles mögliche statt Bücher weil sich das nicht mehr lohnt.

    • Klar, eine wichtige Frage wird da aufgeworfen: Das Konsumverhalten kann ganz klar die Gestaltung eines Viertels mit beeinflussen (positiv wie negativ). Aber meines Erachtens sind das zwei verschiedene Themen: Wenn die Mieten für kleine Läden exorbitant steigen, können noch so viele Leute dort Bücher kaufen. Hier geht es um einen Fall, bei dem der Vermieter einfach seinen Mieter raushaben will. Eine kleine Recherche über den Herrn Jendrusch verrät da recht viel über die Motive. Es wäre traurig, wenn dort zum Jahreswechsel die xte Mode-Boutique oder das xte Nobel-Restaurant in der Langen Reihe eröffnen würde! Aber ganau das droht uns!

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