Ein Walmdach wird geköpft

„Wegen Umbau geöffnet“ heisst es in der Spielzeit 2012/2013 im Schauspielhaus.
Für das Theater gibt es endlich eine neue Bühnenmaschinerie, die Anwohner fürchten 10 Monate lang Baulärm. Dass Nicole Nike Lohrisch beim Schauspielhaus nun explizit für das „Anwohnermanagement“ zuständig ist – sehr lobenswert, aber auch ein Hinweis darauf, dass Konflikte vorausgeahnt werden. Insgesamt war die Stimmung beim ersten Anwohnertreffen im Marmorsaal des Schauspielhauses jedoch gut, Verständnis für die Maßnahmen herrschte vor, wenn auch Lärm und Parkeinschränkungen befürchtet werden.

Dass die Bewohner der Ellmenreichstraße mittlerweile keinen Baulärm mehr ertragen wollen, ist verständlich: nach dem Umbau Hansaplatz und der laufenden Sanierung des Eckhauses (Hotel Pension Hansa 7) stehen nun ab Juni die Baumaßnahmen im Schauspielhaus an. Ob nicht nur sonntags, sondern zumindest auch samstags morgens ausgeschlafen werden kann, war daher eine der Kernfagen.

Der technischer Direktor Hans-Joachim Rau, der künstlerische Leiter Florian Vogel, sowie Projektplaner und -leiter stellten die Vorgehensweise vor und erklärten Hintergrund und Dringlichkeit der Baumaßnahme. Nachdem in der Vergangenheit bereits Veranstaltungen aus technischen Gründen abgesagt werden mussten und der TÜV inzwischen die rote Karte gezeigt hat, ist die 30 Jahre alte Bühnenmaschinerie nicht mehr betriebsfähig.

Der Bühnenturm bekommt einen neuen Aufbau, so dass das Gebäude 6 m höher wird und Platz für eine zeitgemäße Bühnentechnik erhält (Sep. – Dez. 12). Erst wenn dieser Aufbau fertig gestellt ist, wird das darunter liegende, heutige Walmdach „geköpft“ (Feb. 2013). Durch diese Technik soll die Beeinträchtigung durch Lärm und Schmutz möglichst gering gehalten werden. Außerdem soll der Schauspielbetrieb auch während der Bauphase weitergehen, so dass die Bauarbeiten täglich um 17 Uhr enden müssen.

Für diese besondere Situation (Bauarbeiten im Bühnenbereich + gleichzeitig Spielbetrieb) wird das Parkett überbaut – es entsteht eine neue Bühne, das „Spielfeld“. Die Zuschauer sitzen dann vorwiegend im ersten und zweiten Rang und dürfen sich auf ganz spezielle Produktionen und Veranstaltungen freuen.

Ergänzend wurde für alle, die in den Anliegerstraßen ansässig sind, eine spezielle „Anwohnerkarte“ geschaffen, mit der die Vorstellungen zum halben Preis besucht werden können. Weitere Treffen, viel Information, Baustellenführungen und ein Blog – viel zu tun für das Anwohnermanagement des größten deutschen Sprechtheaters.

Am 7. September soll mit der Uraufführung von René Pollesch „Neues vom Dauerzustand“ die nächste Theatersaison eingeläutet werden. Die Premiere auf der neuen Bühne ist für den Oktober 2013 geplant – damit alles hübsch ist, wenn die neue Intendantin Karin Beier aus Köln kommt, mit dem Etikett „erfolgreichste Intendantin Deutschlands“ versehen.

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  1. Die Bauarbeiten am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg St. Georg gehen voran.

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